Unsere Schützlinge im Ganztags-Programm

NagammalNagammal
wurde 1989, im nahe gelegenen Dorf, in eine arme Familie mit drei älteren Brüdern geboren. Sie war ungewollt und ihre Mutter hatte versucht sie abzutreiben. Als Nagammal zum “Alten Spielplatz” kam, war sie dreieinhalb und konnte wegen erheblicher Unterernährung nicht laufen. Sie war schwach und ständig krank und war laufend in ärztlicher Behandlung, unter anderem wegen Tuberkulose. Seit 2003 konnten wir ihr das Ganztags-Programm mit Mittagessen anbieten, was ihren Gesundheitszustand sehr stabilisiert hat. Nagammal war unser erstes gehörloses Kind. Damals hatten wir noch keine Erfahrung mit Hörgeräten und Sprachtherapie. Es war ein langer Prozess, bis Nagammal schließlich mit fünf Jahren ihre ersten Hörgeräte bekam. Für die nötigen Tests und das Anpassen der Geräte mussten wir jedes Mal nach Chennai fahren, was damals eine vier bis fünfstündige Fahrt auf schrecklichen Straßen war. Nagammal ist sehr intelligent und aufmerksam. Sie ist eine von unseren Betreuten, die über die Jahre maximal von unserem Programm profitieren konnte. Selvi hat Nagammal Lesen und Schreiben beigebracht, allerdings ist ihre Aussprache nicht sehr artikuliert, da die Hörhilfe zu spät kam und sie zu wenig familiäre Unterstützung bekam. Wir haben Nagammal verschiedene Handarbeiten beigebracht, beisspielsweise Sticken, die Gestaltung von Grußkarten und das Ziehen von Kerzen. Inzwischen hat sie mehr Selbstvertrauen und ist eine große Hilfe für die kleineren Kinder bei Deepam. Bei uns fühlt sich Nagammal wohl und anerkannt. Wir haben mit der Familie abgemacht, dass sie als Helferin bei Deepam bleiben kann und dauerhafte Gesundheitsversorgung erhält. Wir haben für sie ein Sparkonto eröffnet, auf das wir monatlich einen Betrag für ihre zukünftigen Bedürfnisse einzahlen.

RameshRamesh
ist 1982 geboren und kam 1992 zum “Alten Spielplatz”. Er war ein scheuer Junge, der schwach wirkte und nicht viel redete. Rameshs Vater starb 1994 an Tuberkulose und hatte seinen Sohn infiziert. Ramesh musste sowohl 1995 als auch 1997 monatelang starke Medikamente einnehmen. Er war in seiner Entwicklung zurück geblieben und hatte häufig Bronchitis und Fieber. Ein Arzt sagte uns einmal, “Ramesh habe die Lunge eines alten Mannes”. Zur Schule ging er nur unregelmäßig und ohne großes Interesse am Lernen. 1996 schickten ihn seine Lehrer zu uns nach Deepam. Als Ramesh älter wurde fing er an einem seiner Brüder zu helfen, der Tischler ist. Wir waren froh, dass die Familie Verantwortung für ihn übernahm, aber oft sahen wir ihn im Dorf herumlungern. 2010, als er schon 28 war, brachte ihn seine Mutter völlig unerwartet zu Deepam. Es ging ihm schlecht. Er hatte geschwollene Füße, die Haut sah schlecht aus und er hatte kaum noch Zähne übrig. Wir waren nicht begeistert Ramesh nach so vielen Jahren wieder aufzunehmen und stellten die Bedingung, dass er zuerst ordentlich medizinisch untersucht wird. Sein Hämoglobin-Wert lag unter 5 mg und er bekam Eisen-Injektionen für seine Blutarmut. Seine Mutter gestand uns, dass Ramesh über lange Zeit nur süßen Milchtee und weißen Reis zu sich genommen hat. Wir schimpften heftig mit ihr und erklärten ihr eindringlich welche Lebensmittel gegessen werden müssen, um gesund zu bleiben. Bei Deepam begann Ramesh, gesunde Zwischenmahlzeiten und ein ordentliches Mittagessen zu sich zu nehmen. Wir passen auf, dass er das Gemüse und den Salat nicht weg wirft. Nach und nach gaben wir Ramesh kleine Jobs. Inzwischen ist er Teil unserer Garten-Crew, fegt Blätter beiseite, jätet Unkraut und hilft beim Bewässern der Pflanzen. Mit 36jahren war Ramesh der Älteste bei Deepam. Leider wurde bei Ramesh ein aggressiver Hautkrebs festgestellt, der bereits einen großen Teil seiner Zunge infiltriert hatte. Die Radio- und Chemotherapie wurde zu spät begonnen und Ramesh verstarb im Juli 20018. Wir vermissen ihn sehr!

sunderSundar
ist 1985 geboren und schwer geistig Beeinträchtigt, so dass seine Fähigkeiten stark eingeschränkt sind. Über die Jahre haben wir es geschafft, ihm die Grundfarben und das Zählen bis 20 beizubringen. Sundar kann kleine Jobs bei Deepam übernehmen und hat ein gutes Sozialverhalten. Seine Aufmerksamkeitsspanne ist kurz und er wird außerhalb nie einer Arbeit nachgehen können. Doch Sundar ist immer gut gelaunt und wir sind eher öfter genervt, dass er den gesamten Tag laut vor sich hin singt. Im Dorf ist er viel auf der Strasse zu sehen, wo er wegen seinem angenehmen Wesen von allen akzeptiert wird. Sundar ist offensichtlich ein extrem glücklicher Mensch.

 

AnjalaiAnjalai
ist wahrscheinlich 1985 geboren. Ihre Mutter erinnert sich nicht an das Datum und sie hat keine Geburtsurkunde, was in diesen Dörfern nicht unüblich ist. Anjalai war ein normal entwickeltes Kind, bis sie im Alter von drei Jahren eine schwere Hirnhautentzündung erlitt. Die Folgen waren eine halbseitige Lähmung ihres Körpers und eine geistige Behinderung. Sie ist in ihren motorischen Fähigkeiten, beim Sprechen und in der Konzentration stark beeinträchtigt. Von ihrer Familie bekommt Anjalai nicht viel Unterstützung. Ihre Eltern sind ungebildet und sehr arm. Sie finden es schwer zu akzeptieren eine erwachsene Tochter zu haben, die nicht verheiratet werden kann und sich im Alter nicht um sie kümmern wird. Wir unterstützen Anjalai mit Physiotherapie, bemühen uns für die Erhaltung und Förderung ihrer Gesundheit und geben der Familie einen monatlichen Mietbeitrag.

VinothVinoth
ist 1989 geboren. Er hat geistige Beeinträchtigungen, einen moderaten Gehörverlust und ist extrem hyperaktiv. Allerdings ist Vinoth ziemlich geschickt mit den Händen. Vor einigen Jahren hatten wir es geschafft, ihn nach und nach in eine Töpferei zu integrieren, aber die Arbeit dort war zu schwer für ihn und er vermisste die persönliche Fürsorge. Vinoth passt nicht mehr in unsere Ganztagsgruppe mit den kleineren Kindern und so haben wir uns bei unseren wöchentlichen Mitarbeiterbesprechungen lange den Kopf zerbrochen, wie es mit Vinoth weitergehen soll. Schließlich kamen wir auf die Idee, ihn offiziell zu einem Helfer bei Deepam zu machen, was gut funktioniert, solange er ein wenig Beaufsichtigung bekommt. Nun hält Vinoth unseren Garten sauber, nimmt an einigen Gruppenaktivitäten und den regelmäßigen Mahlzeiten teil. Vinoth träumt davon, ein eigenes Handy und Motorrad zu besitzen. Für seinen zukünftigen Bedarf haben wir ihm dabei geholfen, ein Sparkonto auf seinen Namen zu eröffnen und zahlen darauf einen monatlichen Betrag ein, für die Arbeit, die er bei uns leistet. Darüber hinaus geben wir ihm wöchentlich ein Taschengeld, über das er frei verfügen darf.

AkashAkash
ist 2002 geboren. Gleich nach der Geburt hatte er epileptische Anfälle und wird lebenslang Medikamente einnehmen müssen. Akash ist in seiner geistigen Entwicklung beeinträchtigt und zeigt massive Verhaltensauffälligkeiten, mit Ticks und autistischen Zügen. Er kommt aus einer armen Familie mit ungebildeten Eltern. Sein Vater ist Alkoholiker und hilft kaum beim Aufziehen der Kinder. Seine Mutter geht arbeiten, um die Familie durchzubringen. Wir kennen Akash seit er als zweijähriges Kind ambulant zu Angelika zur Beschäftigungstherapie kam. Leider war es nicht möglich, kontinuierlich mit ihm zu arbeiten. Akash war oft krank – entweder hatte er massive epileptische Anfälle oder wiederkehrende Fieberschübe. Es dauerte Monate bis er mit einem speziellen Typ von Tuberkulose diagnostiziert wurde. Neun Monate lang bekam er eine intensive medizinische Behandlung und durfte wegen Ansteckungsgefahr während dieser Zeit nicht zu Deepam kommen. Für seine Mutter wurde es immer schwieriger, mit Akash fertig zu werden und wollte ihn in einem Heim unterbringen. Dort wurde er jedoch wegen seines schwierigen Verhaltens abgelehnt. Deshalb entschied unser Team, Akash ins Ganztagsprogramm aufzunehmen, was eine große Herausforderung war. Über eine lange Zeit hinweg brauchte er eine Person, die ihn ständig beaufsichtigte. Er verweigerte Augenkontakt, konnte nicht alleine zur Toilette gehen, schlug und provozierte andere Kinder, störte und war nur schwer in den Tagesablauf zu integrieren. Nach und nach verbesserte sich sein Sozialverhalten und seine Kooperation. In Einzelsitzungen wurden einfache Dinge geübt und seine Konzentrationsfähigkeit aufgebaut. Inzwischen hat Akash erstaunlich große Fortschritte gemacht und ist fähig an allen Aktivitäten teilzunehmen.

SarasuSarasu
ist 1998 geboren. Als sie eineinhalb Jahre war, brachte ihre Mutter sie zu uns, weil sie gemerkt hatte, dass ihre Tochter nicht auf Ansprache reagierte. Die audiometrischen Tests bestätigten ihre Gehörlosigkeit. Wir halfen ihr die ersten Hörgeräte zu kaufen und die entsprechenden Ohrpass-Stücke anzufertigen, die jedes Mal erneuert werden mussten, wenn ihre Ohren gewachsen sind. Die Familiensituation spitzte sich zu und Sarasus Vater trank mehr und mehr. Ihre Mutter musste arbeiten gehen, obwohl inzwischen eine kleine Schwester geboren war. Deshalb entschieden wir uns, Sarasus Mutter für jeden Tag zu bezahlen, an dem sie ihre Tochter zur Sprachtherapie brachte, was eine Zeitlang sehr gut funktioniert hat. Sarasu bekam täglich Einzelsitzungen mit Selvi. Innerhalb weniger Monate konnte Sarasu alle notwendigen Laute artikulieren, um Tamil zu sprechen. An diesem Punkt halfen wir sie in eine sonderpädagogische Schule in Pondicherry zu integrieren, mit der Idee, ihr eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Unglücklicherweise beging ihr Vater dann Selbstmord und die Mutter bat uns darum ihr zu helfen Sarasu in einem Heim unterzubringen. Ein Jahr später wurde klar, dass es Sarasu in diesem Heim nicht erlaubt wurde ihre Hörgeräte zu tragen und dass sie auch keine Sprachtherapie erhielt. Auf Wunsch der Mutter nahmen wir Sarasu zurück. Leider hatte sie wertvolle Zeit verloren – sie konnte nicht mehr sprechen und das Training musste noch einmal von vorne beginnen. Mittlerweile war das Mädchen außerdem ziemlich hyperaktiv und unkonzentriert. Die häusliche Situation war schrecklich – die Mutter lebte mit ihren Töchtern und sen alten Großeltern in einer winzigen, armseligen Hütte. Glücklicherweise war eine wohlwollende Person aus Auroville bereit, ein kleines solides Haus für die Familie zu bauen. Nach und nach machte Sarasu stetig Fortschritte. Sie wurde konzentrierter und lernte Tamil Lesen und Schreiben. Aus dem Mädchen wurde eine pfiffige Teenagerin mit einem starken Willen. Über einen Zeitraum von zwei Jahren wurde sie ins ”Life Education Centre (LEC)” integriert, wo sie eine Ausbildung in Handarbeiten und Schneidern bekommt. Sie wird für ihr Geschick gelobt und ist inzwischen fähig, ihre eigenen Panjabis zu nähen (Hosen mit einem knie-langen Oberteil). Wir sind zuversichtlich, dass sie in Zukunft ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen wird.

NishanthNishant
wurde mit spastischen Muskeln geboren (Zerebralparese). Seine Großmutter brachte Nishant mit fünf Jahren zu uns. Mit Hilfe intensiver Physiotherapie und Gehapparaten war es ihm möglich, erste Schritte zu gehen und kann inzwischen kurze Wege ganz ohne Hilfsmittel laufen. Wegen der schwerwiegenden Spastik seiner Beinmuskeln sieht sein Gangbild nicht besonders elegant aus und Nishant muss fortlaufend krankengymnastische Übungen machen. Nishant hat lange Jahre eine Regelschule besucht, aber er lernt langsam und ist oft unaufmerksam, weshalb er die Prüfungen nicht geschafft hat. Seit 2012 besucht Nishant auf eigenen Wunsch unser Ganztags-Programm, wo er in Einzelstunden Physiotherapie und eine schulische Grundbildung erhält. In den letzten Jahren gab es viele Klagen über Nishants Motivation und seinen mangelnden Fortschritt. Erst neuerdings kommt Nishant mehr aus sich heraus und bekommt viel Lob und Anerkennung für sein Bemühen. Er interessiert sich mehr für seine Physiotherapie-Übungen, weil er gut aussehen und aufrecht laufen will. Auch zeigt er mehr Interesse am Lernen, insbesondere am Computerunterricht. „Ich möchte aufrecht gehen und groß sein. Jetzt bin ich 5 Feet und 2 Inches groß. Am liebsten mag ich das Computertraining bei Deepam. In Zukunft plane ich, meinen eigenen Laden im Dorf aufzumachen und möchte Ersatzteile und Sim-Karten verkaufen.“ Gerne möchten wir Nishant Fähigkeiten beibringen, mit welchen er später sein Leben selbständig führen kann.

NanthiniNandini
kam mit im Alter von neun Monaten erstmals für Therapie zu Deepam. Sie hatte keinen sanften Start ins Leben. Als ihre Mutter mit ihr schwanger war, unternahm sie einen Selbstmordversuch und übergoss sich mit Kerosin. Sie wurde mit 42-prozentigen Verbrennungen ins Krankenhaus eingeliefert, wo Nandini zu früh, mit verschiedenen Behinderungen (Zerebralparese und Mikrozephalie) zur Welt kam. Seit wir sie kennen, war Nandini unterernährt und litt unter Darmparasiten. Ihr Vater ist stark alkoholabhängig und geht nicht zur Arbeit. Ihre zwei jüngeren Brüder besuchen Regelschulen. Wegen der familiären Probleme kam Nandini sehr unregelmäßig zu ihren Therapiestunden. Erst als sie sieben und reif genug war, gliederten wir Nandini Schritt für Schritt in unser Ganztags-Programm ein und seither hat sie erheblich aufgeholt. Zuhause gab es keine Toilette und aufgrund ihrer Entwicklungsverzögerung war es eine große Herausforderung, Nandini beizubringen, bei Deepam die Toilette zu benutzen, anstatt in die Hose zu machen. 2016 konnten wir der Familie helfen eine eigene Toilette zu bauen. Nandini ist gerne mit den anderen Kindern in der Gruppe zusammen und macht kontinuierlich Fortschritte. Mit ihren strahlenden Augen und ihrem frohen Wesen ist sie bei Deepam wie ein Sonnenstrahl.

SanthiyaSanthiya
wurde 2003 mit einem Gewicht von nur 1900 Gramm geboren und war für eine Woche im Wärmebett. Ihre Eltern sind miteinander verwandt. Santhiya kam mit zwei Jahren zu uns. Wir erinnern uns an sie als kleines schmutziges Mädchen, das andauernd eine laufende Nase hatte und oft krank war. Sie war winzig für ihr Alter, unterernährt und litt fortwährend an verschiedenen Darmparasiten, bis die medizinische Behandlung erfolgreich war. Obwohl Santhiya viele Fortschritte gemacht hat, seit wir sie 2009 in die Ganztagsgruppe aufgenommen haben, ist sie noch sehr schwach, was ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten betrifft. Inzwischen kann sie Farben und Formen identifizieren und nutzt einfache Sprache und Gesten, um sich auszudrücken. Testergebnisse haben ergeben, dass ihr Gehör gut ist, sie aber unter einem sogenannten sensorischen Gehörverlust leidet. Das bedeutet, dass Gehörtes in ihrem Sprachzentrum im Gehirn nicht richtig verarbeitet wird. Deshalb braucht sie eine Menge an zusätzlicher Stimulation, um sprechen zu lernen. Da sie gewohnt war „ihr Geschäft im Freien zu verrichten“ blieb das Toilettentraining eine dauerhafte Herausforderung. Wegen ihrer zarten Gesundheit ist sie weiterhin anfälliger für Krankheiten. 2011 wurde bei ihr eine beginnende Tuberkulose diagnostiziert und sie bekam über Monate hinweg Medikamente. Inzwischen hat sich ihr Gesundheitszustand verbessert, auch wenn sie noch zu klein für ihr Alter ist. Erfreulicherweise kann sie sich besser konzentrieren und zeigt Fortschritte in vielen Bereichen. Wegen ihres angenehmen Wesens ist Santhiya bei allen beliebt.

RuthrapathyRuthrapathi
dessen Eltern miteinander verwandt sind, ist 2003 mit beidseitiger Gehörlosigkeit geboren. Er hat eine jüngere Schwester. Sein Vater lebt mit einer anderen Frau zusammen und kümmert sich nicht um seine Kinder. Ruthrapatis Mutter arbeitet als Tagelöhnerin auf Baustellen, um die Familie zu ernähren. Ruthrapati ist nie zur Schule gegangen und war tagsüber sich selbst überlassen. Erst als er acht Jahre war, wurde er uns vorgestellt und bekam seine ersten Hörgeräte angepasst. Ruthrapati liebt diese Geräte und ist sehr stolz darauf. Da er seine Hörhilfen sehr spät bekam, ist der Prozess des Sprechenlernens beschwerlich. Es braucht eine Menge Anstrengung von ihm und viel Geduld von unserem Mitarbeiter Gopal, der die Sprachtherapie mit Ruthrapathi übernommen hat. Inzwischen kann sich Ruthrapathi mit Worten ausdrücken und kennt die Buchstaben des tamilischen Alphabets. Es hat auch eine zeitlang gedauert, bevor sich Ruthrapathi in der Gruppe zurechtgefunden und adäquates Sozialverhalten gelernt hat, beispielsweise zu warten oder Rücksicht auf andere zu nehmen. Wir mussten ihm auch beibringen, wie man die Toilette benutzt. Mit dem gesunden Essen bei Deepam hat er an Gewicht zugelegt und sieht inzwischen sehr viel gesünder aus. Ruthrapathi profitiert sehr von den verschiedenen Aktivitäten, die bei uns angeboten werden. Er liebt handwerkliche Arbeiten und ist geschickt im Umgang mit unserer Tretlaubsäge, mit der er schöne Dinge aus Sperrholz aussägt. Wir legen bei ihm besonders Wert darauf ihn frühzeitig handwerklich auszubilden – mit dem Ziel, ihn von unserer Hilfe unabhängig zu werden zu lassen und ihn in die Welt draußen zu integrieren.

HemaHema
war 4 Jahre alt, als ihre Kindergartenlehrerinnen sie 2009 zu uns schickten. Wir empfahlen einen Audiometrie-Test, der bestätigte, dass ihr Gehör geschädigt war und sie Hörgeräte und intensives Sprachtraining brauchen würde. Ihre Eltern wurden über weiter entfernte sonderpädagogische Schulen für gehörbehinderte Kinder informiert. Aufgrund von Hemas Hyperaktivität wollten sie ihre Tochter allerdings lieber im Ganztags-Programm bei Deepam unterbringen, wo sie mehr individuelle Aufmerksamkeit und tägliche Sprachtherapie-Sitzungen mit Selvi und Gopal bekam. Nachdem sie innerhalb von zwei Jahren beachtliche Fortschritte gemacht hatte, schlugen wir vor, Hema in die Regelschule zu re-integrieren. Die Aikyam Schule war bereit sie in die erste Klasse aufzunehmen. Wir haben die nachmittägliche Sprachtherapie fortgesetzt und weiterhin bei den Hausaufgaben und bei der Pflege ihrer Hörgeräte geholfen. Leider gab es aber von Seiten der Familie nicht genügend Unterstützung und nach einigen Monaten gaben die Lehrer auf, weil Hema nicht in der Lage war, dem Unterricht zu folgen. Jetzt ist sie den ganzen Tag bei Deepam, wo sie wöchentlich ein paar Stunden Einzelunterricht bekommt. Sie lernt Tamil lesen und schreiben und die Grundzüge des Rechnens. Hema profitiert besonders auch von den verschiedenen Aktivitäten bei Deepam. Mittlerweile ist sie regelrecht aufgeblüht, ausgeglichener und konzentrierter – sie redet viel und gut artikuliert, besonders auch seit ihr qualitativ hochwertige Hörgeräte zur Verfügung stehen, die wir für sie gespendet bekommen haben. Hema kann inzwischen ganze Kapitel auf Tamil lesen und komplette Sätze schreiben. Auch beherrscht sie die Grundrechenarten.

DharniDharani
ist 1997 geboren und kam das erste Mal mit zwei Jahren zur Physiotherapie zu uns. Sie leidet unter Epilepsie und bekommt Dauermedikation. Einige Jahre lang war Dharani in der Regelschule, wo sie schulisch mit ihren Klassenkameraden nicht mithalten konnte. Mit 12 Jahren kam sie schließlich in unser Ganztags-Programm und war damals nichtmals fähig ihren eigenen Namen zu schreiben. In den Schulen draußen gab es keine geeignete Hilfe für Dharani; sie braucht viel individuelle Aufmerksamkeit, um sich zu konzentrieren und Fortschritte zu machen. Lange Zeit zeigte sie ein auffälliges Sozialverhalten, weigerte sich, an Gruppenaktivitäten teilzunehmen und zog sich in sich selbst zurück. Unsere Mitarbeiter haben Dharani genau beobachtet und gezielt gefördert, z.B. haben wir für einige Kunsttherapie-Stunden gesorgt, um sie emotional zu unterstützen.
Dharanis Vater ist 2004 an Aids gestorben und ihre Mutter ist mit vier heranwachsenden Kindern zurück geblieben. Dharani hat zwei ältere Schwestern und einen jüngeren Bruder. Sie lebten in einer kleinen Hütte aus Lehm mit einem Strohdach, das undicht war und das provisorisch mit einer Plastikplane abgedeckt war. In den Tropen gibt es lange Zeiten ohne Niederschlag, aber die Regenfälle während des Monsuns sind extrem heftig. 2011 konnten wir, mit Spendengeldern von Deepam, helfen für Dharani und ihre Familie ein stabiles Haus zu bauen.
2013 hat Dr. Peter Prashant, der Kinderarzt des PIMS-Krankenhauses, der uns sehr unterstützt, bei Dharani das Sturge-Weber-Syndrom diagnostiziert, das ihre gesundheitliche Verfassung erklärt: Es ist ein angeborenes Erbleiden, das immer mit einem roten  Muttermal im Gesicht einhergeht. Komplikationen bestehen in der Verkalkung von Gewebe und dem Verlust von Nervenzellen im Gehirn, auf der Seite des Muttermals. Das führt oft zu Anfallsleiden und Muskelschwächen auf der anderen Körperseite. Eine andere Komplikation kann ein Glaukom werden, das zur Blindheit führen kann. Deshalb stellen wir sicher, dass Dharanis Augen regelmäßig untersucht werden. Trotz all dieser Schwierigkeiten hat Dharani unglaubliche Fortschritte gemacht. Sie strengt sich an, um etwas zu erreichen und nimmt rege an allen Aktivitäten teil. Wir sind sehr stolz auf sie und ermutigen sie.

JayasudhaJayasudha
ist 1984 mit Zerebralparese geboren. Aufgrund ihrer spastischen Muskeln hat sie Schwierigkeiten, ihre Gliedmaßen zu koordinieren und war nicht in der Lage das Laufen zu lernen. Sie ist auf den Rollstuhl angewiesen. Obwohl sie geistig normal ist, ist sie nie zur Schule gegangen. Als wir Jayasudha das erste Mal getroffen haben, war sie 16 Jahre alt und lebte mit den Großeltern mütterlicherseits zusammen. Sie klagten ständig, was es für eine Bürde sei, für Jayasudha sorgen zu müssen.  Ihr Vater war krank und ist früh gestorben – ihre Mutter lebte mit ihren beiden Töchtern weiter im Haus der Schwiegereltern. Eines Tages, als Jayasudha 9 Jahre alt war, hatte ihre Großmutter mit Absicht Petroleum in den Kerosinkocher gefüllt. Als Jayasudhas Mutter vom Markt kam und den Kocher anzündete um zu kochen, fing sie Feuer. Jayasudha saß vor dem Haus und musste hilflos mitansehen, wie ihre Mutter starb. Einige Jahre nahm Jayasudha an unserem Ganztags-Programm teil. Sie bekam intensive Physiotherapie, lernte lesen und schreiben und verschiedene Handarbeiten. Wir waren zuerst erleichtert, als Jayasudha zu ihrer Schwester zog, die mittlerweile verheiratet war und drei kleine Kinder hatte. Doch leider fing die Schwester an, Jayasudha als Babysitter einzuspannen und erlaubte ihr nicht mehr, regelmäßig zu Deepam zu kommen. Erst seit die Kinder der Schwester zur Schule gehen, kann Jayasudha wieder regelmäßig kommen. Dank den täglichen Übungen mit Joyce, unserer Physiotherapeutin bei Deepam, macht sie deutlich Fortschritte. Mit Hilfe von Gehschienen, die an ihrer Hüfte angebracht werden, kann sie inzwischen einige Schritte laufen – obwohl das sehr anstrengend ist, strahlt ihr Gesicht vor Freude.

Suresh .SSuresh
ist 1991 gehörlos geboren; nur mit besonders starken Hörgeräten kann er hören. Von 2003 bis 2008 hat er unser Ganztags-Programm besucht. Suresh kommt aus einer armen ungebildeten Familie und hat kein besonderes Interesse für Lesen und Schreiben gezeigt, aber wenn es um Handwerk geht, macht er sich gut. Wir haben ihm grundlegende Techniken beigebracht und arrangiert, dass er ein Tischlertraining bei Svaram bekam, wo Musikinstrumente hergestellt werden. Nach und nach hat er sich dort eingegliedert, bis sie angeboten haben, ihn fest anzustellen. Alle waren stolz auf ihn und wir haben ihn weiterhin für die Wartung seiner Hörgeräte unterstützt. Suresh war unsere “Erfolgs-Geschichte”, bis er anfing am Arbeitsplatz bei verschiendenen Gelegenheiten zu stehlen. Er wurde verwarnt und bekam mehrere Chancen, aber am Ende wurde er entlassen. Weil Suresh kaum familiäre Unterstützung hat und einige seiner Freunde Alkoholiker sind, haben wir entschieden, ihn weiter bei Deepam zu behalten. Einige Jahre lang war er einer unserer Gärtner und bekam Taschengeld, Lunch und Gesundheitsversorgung. Suresh stabilisierte sich und wir fanden, dass es Zeit ist, ihn wieder in die Welt draußen zu integrieren, damit er ein normales Leben führen kann. 2015 fanden wir einen Klempner, der ihn aufgenommen hat. Suresh wurde sein Helfer und bekommt einen Lohn für seine Arbeit. Wir hoffen, dass sich diese Lösung für ihn bewähren wird.

ChandrakanthChandru
ist 2007 mit Down Syndrom (auch Mongolismus oder Trisomie 21 genannt) geboren. Seit dem Alter von eineinhalb Jahren kommt er regelmäßig zu Deepam, um Physiotherapie und andere Therapien zu bekommen. Chandru ist in allen Bereichen entwicklungsverzögert und braucht viel Aufmerksamkeit. Er ist ein charmanter Junge, den jeder mag. Seine Mutter hat ihn zu sehr verwöhnt – wir haben darauf bestanden, dass er lernt, zur Toilette zu gehen, selbstständig zu essen und sich selbst anzuziehen. Unser Ziel war es, ihn langsam in unsere Ganztags-Gruppe zu integrieren, was sich als schwieriger erweist, als wir erwartet haben. Chandrus Verhalten ist herausfordernd – er macht viel Unsinn und die Erwachsenen tendieren dazu das lustig zu finden, weil er so niedlich ist. Wir haben häufig bei Deepam darüber gesprochen und den Eltern klargemacht, dass wir uns alle gemeinsam auf eine klare Herangehensweise einigen müssen, um Chandru dazu anzuleiten ein angemessenes Sozialverhalten zu entwickeln.

Vinoth kumarVinoth
ist 2008 geboren. Er hat einen älteren Bruder. Seine Familie ist arm; Vinoths Vater arbeitet für Tageslohn in einem Laden, und seine Mutter ist mit den Kindern zuhause. Vinoth ist 2012 zu uns überwiesen worden mit dem Anliegen, dass der Junge nicht sprechen und sich nur durch Gesten ausdrücken würde. Seine Mutter berichtete, dass Vinoth seine Hörfähigkeit durch ein schweres Gewitter verloren hat, als er drei Jahre alt war. Das klang für uns nicht sehr überzeugend, besonders als wir herausfanden, dass seine Mutter einen Selbstmordversuch unternommen hatte, als sie im fünften Monat mit Vinoth schwanger war. Der Gehörtest (Audiometrie) bestätigte eine schwere Gehörlosigkeit. Vinoth kam für einige Zeit regelmäßig zu Selvi zum Sprachtraining. Es ist ein langer Weg, mit Hörgeräten sprechen zu lernen. Am Anfang war er sehr scheu, verweigerte den Augenkontakt und öffnete kaum den Mund. Inzwischen ist Vinoth in unserem Ganztagsprogramm und nimmt an allen Aktivitäten teil – er bekommt weiterhin Einzelstuden für seine Sprachentwicklung. Gopal bringt ihm außerdem bei, Tamil zu lesen und zu schreiben. Vinoth ist nach wie vor eher scheu und zurückgezogen, aber mit seinen großen glänzenden Augen ist er ein hervorragender Beobachter.