Unsere ambulanten Patienten

persons_1347343923Babys und Kleinkinder kommen mit ihren Eltern als ambulante Patienten zur Physio-, Beschäftigungs- und Sprachtherapie. Einige täglich oder ein paarmal pro Woche; andere, die weiter entfernt wohnen, unregelmäßig. Wir erwarten von den Eltern, dass sie teilnehmen und mitarbeiten, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen. Diese Einzelbetreuung ist sehr zeitaufwendig; oft sind mehrere unserer Therapeuten beteiligt. Leider passiert es häufig, dass die Eltern nach einer Weile nicht mehr kommen, oft, wenn ein anderes Baby geboren ist, und es zu anstrengend für sie wird, die Behandlung mit dem älteren Kind fortzuführen. Manchmal sind die Erwartungen der Eltern auch zu hoch – zum Beispiel, wenn sie davon ausgehen, dass ihr Kind mit schwerem Hirnschaden nach ein paar Therapie-Sitzungen laufen und sprechen kann, während es nötig wäre, weiterzuarbeiten, um mit der Therapie schrittweise kleinere Ziele zu erreichen. Viele Kinder, die irgendwann nicht mehr gekommen waren, kehren später zurück – oft, wenn die Eltern merken, dass ihr Kind in einer Regelschule nicht mitkommt.
Die meisten unserer Kinder hatten einen schweren Start ins Leben. Es gab häufig Komplikationen während der Schwangerschaft oder der Geburt. Wir sind sehr daran interessiert, schon mit den Babys und Kleinkindern zu arbeiten, weil eine frühe Intervention die besten Ergebnisse erzielt. Je früher wir beginnen, desto mehr können wir erreichen!

DhineskarthikDinesh
kam 2012 als zweijähriger Junge zu uns. Die Eltern sind blutsverwandt und kommen aus einem Dorf in der Umgebung. Der Vater arbeitet für Tageslohn als Tischler. Als Dinesh eineinhalb war, merkte seine Mutter, dass er nicht auf Geräusche reagierte und selbst auch wenig Töne von sich gab. Die Familie fand den Weg zu uns. Wir schickten ihn zu einem Audiometrie-Test. Das Resultat bestätigten einen schweren Hörschaden. Der nächste Schritt bestand darin, ihm gute Hörhilfen zu kaufen, die Deepam finanziert hat, weil seine Familie sie sich nicht hätte leisten können. Seit April 2012 kam Dinesh regelmäßig mit seiner Mitter zu Selvi zum Hörtraining und zur Sprachtherapie. Das Training gestaltete sich zuerst ziemlich schwierig, weil Dinesh sich an die Hörgeräte gewöhnen musste und ziemlich unruhig war. Aber er ist ein süßer Junge, der sehr von der allgemeinen Therapie profitiert hat. Weil Dineshs Mutter sehr kooperativ war, haben wir ihr eine Vorschule im nahen Pondicherry empfohlen, die ein spezielles Programm für hörbehinderte Kinder hat. Ziel ist es, sie später in Regelschulen aufzunehmen. Es ist eine große Selbstverpflichtung für Dineshs Mutter, ihren Sohn jeden Morgen mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt zu bringen. Wir betreuen ihn weiter, um sicher zu sein, dass seine Ohren frei von Ohrenschmalz sind, damit er keine Infektion bekommt, was beim Tragen von Hörgeräten leicht passiert. Mittlerweile konnten wir Dinesh mit sehr guten Hörgeräten versorgen, die speziell für ihn gespendet worden sind.


ShadhanaSadhana
kam mit zweieinhalb Jahren zu uns. Sie ist durch Kaiserschnitt zur Welt gekommen und war zum Zeitpunkt der Geburt schon überfällig. Sie hat eine ältere Schwester, die keine Probleme hat. Unglücklicherweise ist ihr Vater an einem bösartigen Hirntumor gestorben, als Sadhana zwei Monate alt war. Noch immer ist ihre Mutter sehr deprimiert, ihren Mann verloren zu haben und die beiden kleinen Töchter allein großziehen zu müssen. Sadhana ist ein süßes Mädchen, das sehr wach ist, obwohl sie wegen ihrer extrem schlaffen Muskeln weder sprechen noch gehen kann. Wir haben ihrer Mutter gebeten, zweimal pro Woche zur Physiotherapie zu kommen. Gleichzeitig haben wir eine gründliche medizinische Untersuchung arrangiert.  Sadhana hat Pigmentschäden an der Haut ihrer Arme und Beine, und so hieß die Diagnose “Hypomelanosis”, ein Leiden, das mit schwerer geistiger Beeinträchtigung und mit Anomalitäten und Fehlfunktionen vieler Organe inklusive Herz und Nieren einhergehen kann. Weitere Komplikationen bestehen im Vorkommen von epileptischen Anfällen und Hirntumoren. All das mussten wir Sadhanas Mutter erklären, die Analphabetin ist, und die gerade etwas aus ihrer Depression herauskommt und durch die sichtbaren Fortschritte von Sadhana ermutigt ist: Sie fängt an, sich häufiger selbständig zu bewegen und spricht ihre ersten Worte.

YogaYoga Lakshmi
ist ein sehr flinkes Mädchen, das 2011 geboren ist. Es gab keinen ersten Schrei bei der Geburt, und die Mutter hatte schon während der Schwangerschaft Komplikationen. Yoga Lakshmi kam mit drei Jahren zu uns. Wir erinnern uns an ein kleines, wildes Mädchen, das fast auf überaupt nichts reagierte. Sie schlug und biss um sich, war schnell abgelenkt und schaute uns nicht an. Der Hörtest ergab normales Gehör, obwohl sie noch immer nur Ein-Silben-Wörter spricht und alles in den Mund nimmt. Wichtig war es, den Eltern zu zeigen, auf Augenkontakt zu bestehen und ihnen beizubringen, Yoga Lakshmi zuhause zu ermutigen statt sie zu schlagen. Schnell fanden wir heraus, dass Yoga Lakshmi Geräusche und Vibrationen mag. Mit einer Menge Geduld und der richtigen Stimulation konnten wir eine längere Konzentrationsspanne aufbauen, und Yoga Lakshmi zeigt spürbare Verbesserungen und angemenssene Interaktionen mit ihrer Umgebung.

GopinathGopinath
ist 2011 als Frühgeburt mit einem Kaiserschnitt zur Welt gekommen und war 15 Tage lang in der Intensivstation im Brutkasten. Wege der Verletzungen in seinem Gehirn ist er geistig beeinträchtigt, und obwohl seine Augen normal sind, werden visuelle Eindrücke nicht richtig im Gehirn verarbeitet (kortikale Blindheit). Gopinath hat außerdem eine schwere Funktionsstörung aus dem Autismus-Spektrum. Zu all dem kommen noch häufige epileptische Anfälle trotz der Maximaldosis der Epilepsie-Medikamente.
Gopinath hat eine zwei Jahre jüngere Schwester, der es gut geht. Er hatte nie Therapie bekommen und war das erste Mal bei uns, als er schon vier Jahre alt war. Zuerst machte er keinen Augenkontakt, er war nicht gewohnt, beim Spielen seine Hände zu benutzen, sondern schlug ständig mit beiden Händen seinen Kopf. Er war sehr hyperaktiv, wanderte herum und fiel wegen der häufigen kurzen Anfälle oft hin. Seine Mutter behandelte ihn wie ein Baby: Sie trug ihn, zog ihn an, fütterte ihn, und er hatte nicht gelernt, die Toilette zu benutzen. Wir ermutigten sie, ihn wie einen normalen Vierjährigen zu behandeln und ihn in seine täglichen Routinen aktiv einzubeziehen. Bald war Gopinath fähig, selbständig festes Essen  zu sich zu nehmen.  Dreimal pro Woche kommt er zu intensiver Therapie. Wir machen Körperübungen mit ihm, geben ihm viel Stimulation durch Berührung und Vibration, ermuntern ihn zu ständigem Augenkontakt und wir lehren ihn, Licht und andere Objekte zu verfolgen. Gopinath gibt Geräusche von sich, sagt aber keine deutlichen Worte, deshalb wiederholen wir einfache Worte wie “amma” (Mutter) und er versucht manchmal, sie zu wiederholen. Obwohl wir einige Verbesserungen sehen, ist Gopinaths Fortschritt nicht stetig, weil er oft epileptische Anfälle hat und sich seine Laune oft ändert. Seine Aufmerksamkeitsspanne ist sehr kurz. Es erfordert viel Geduld, mit ihm zu arbeiten – an manchen Tagen können wir kaum etwas erreichen, aber an anderen ist er kooperativer und belohnt uns mit einem breitem Lächeln.

ShakthiShakti
ist der Kleinere von zwei 2007 geborenen Zwillingsbrüdern. Bei seiner Geburt wog er nur 1 Kilogramm, schrie nicht und war deshalb einige Tage im Brutkasten. Wahrscheinlich durch eine Asphyxie (Sauerstoffmangel bei der Geburt) hat Shakti eine schwere Zerebralparese, die sich als Spastik der Muskeln, kombiniert mit Ataxie (Muskelzittern), bemerkbar macht. Er kann seine Glieder bewegen, aber es sieht bizarr aus und erfordert enorme Anstrengung. Sogar die Muskeln im Gesicht sind betroffen und er hat Schwierigkeiten zu essen und zu sprechen (seine Artikulation ist unklar). Shakti ist ein intelligenter Junge und er besucht eine Förderschule in der nahe gelegenen Stadt. Seine Mutter, die unglaublich motiviert und nett ist, besteht darauf, ihren Jungen zur Physiotherapie zu Deepam zu bringen – wir konnten schlicht nicht nein sagen. Mit regelmäßigen Physiotherapie-Übungen ist Shakti ein großes Stück vorwärts gekommen und kann mit Spezialschuhen, Gehschienen und einem Gehwagen jetzt einige Strecken laufen. Einmal in der Woche trifft er die Deepam-Kinder beim Swimmingpool. Die Übungen im Wasser helfen ihm, seine Muskeln zu entspannen. Shakti ist ein extrem motivierter Junge mit einem ganz besonders süßem Wesen.